Innenschau (2018- )

Sie sehen wie Heilige aus. Ihre Blicke gehen nach innen. Es sind Gesichter der Selbstvergessenheit, bekannt aus den U-Bahnen und Klassenzimmern, Parks und Wiener Kaffeehäusern. Ich behaupte: Die Gesichter des Innenhaltens sind vom Aussterben bedroht. Deshalb habe ich beschlossen, eine Sammlung anzulegen.

Die Gesichter meiner Typologie verweisen auf die im Alltag wenig beachteten Momente des Innehaltens, in denen wir den Blick schweifen lassen und uns in Tagträumen wiederfinden. In Pausen von der Geschäftigkeit. Nach kapitalistischen Wertmaßstäben hat das Nichtstun wenig Wert: Es wird nichts produziert und auch nichts konsumiert. Wer nichts tut, gilt als nutzlos und faul. Trägheit ist eine der sieben Todsünden im Christentum.

Dabei zeigen psychologische Studien, dass Nichtstun ein eigenes neuronales Netzwerk aktiviert, das zentrale Aufgaben erfüllt: Erlebtes und Erlerntes wird integriert, unsere Identität aktualisiert, Inhalte ins Langzeitgedächtnis übertragen. Das Gehirn ist mit sich selbst beschäftigt. Ein Resultat der Studien: Die Kreativität nimmt zu, wenn Menschen Phasen des Tagträumens in ihr Leben integrieren. Monotone automatisierte Aufgaben ermöglichen uns das, und auch das klassische Nichtstun.

Meine Serie „Innenschau" stellt die Frage, wohin wir uns als Gesellschaft entwickeln, wenn Innenhalten und das Nichtstun immer mehr an Bedeutung verlieren; wenn der routinierte Griff zum Smartphone jeden Moment der Langeweile unterbindet, und wir uns vermehrt in einem binären Zustand wiederfinden: entweder unterhalten zu werden oder geschäftig zu sein.

Die Serie „Innenschau" ist ein Loblied auf die Muße im Alltag. Löcher in die Luft zu starren und tagzuträumen ist eine universelle menschliche Praxis, die einfach anzuwenden ist – und dennoch durch die Verlockungen der modernen Medien akut bedroht . Für die Erstellung meiner Typologie von Gesichtern der Innenschau lade ich Menschen ein, bewusst die Gedanken schweifen zu lassen und, auf gut österreichisch, „ins Narrenkastl" zu schauen. Lassen Sie sich gerne anstecken.

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"Es ist immer wieder ein Genuß, die neuesten Kunstfotos auf Deiner Website zu betrachten. Man merkt einfach, dass das mehr als Arbeit ist." 

Iris Sigl, Big Detail OG

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